Luftsportverein Neuwied e.V.

Die Geschichte


Am 17. Februar 1951 gründeten 47 begeisterte Luftsportler in der Gaststätte Toni Maurer, dem späteren langjährigen Vereinslokal, den Luftsportverein Neuwied mit sehr viel Optimismus, denn Fliegen war als Folge des Krieges verboten. Dieses Verbot wurde jedoch zumindest für den Segelflug 1951 aufgehoben. Im übrigen stand man aber quasi vor dem Nichts, denn zum Fliegen benötigt man nun mal einen Flugplatz und mindestens ein Flugzeug. Als Flugplatz war bald das ehemalige Segelfluggelände Hummerich bei Plaidt ausgemacht, und hier kooperierte man zunächst nach dem Motto “Einigkeit macht stark” mit den Flugsportvereinen aus Andernach, Boppard, Koblenz und Lahnstein. Im Steigerturm, einem ehemaligen Feuerwehrgebäude im Stadtteil Heddesdorf und damals von der Stadt Neuwied dem Luftsportverein als Vereinswerkstatt zur Verfügung gestellt, entstand unter einfachsten Bedingungen unter der fachmännischen Leitung von Schreinermeister Adolf Fuhrmann im Eigenbau das erste Flugzeug des Luftsportvereins Neuwied, ein sog. “Schulgleiter 38 mit Bötchen”. Dieser Gleiter entsprach zwar schon damals nicht den aerodynamischen Erkenntnissen dieser Zeit, aber man konnte damit fliegen, und das war zunächst einmal das wichtigste. Der Fleiss der Vereinsmitglieder wurde mit den ersten Flügen per Gummiseilstart zu Pfingsten 1953 auf dem Segelfluggelände Hummerich belohnt. Es folgte eine Zeit des Aufbaus, und Ziel der Vereinsmitglieder war vor allem, von Zeit zu Zeit überhaupt mal in die Luft zu kommen, auch wenn’s nur wenige Minuten waren.

1955 musste das Segelfluggelände Hummerich aufgegeben werden, weil der fortschreitende Bims- und Lava-Abbau ein sicheres Fliegen nicht mehr zuliess. Nach einigen Bemühungen erhielt der Luftsportverein Neuwied zusammen mit den Vereinen von Andernach und Boppard die Möglichkeit, den damals noch unter französischer Leitung stehenden Militärflugplatz Niedermendig ab dem Frühjahr 1956 an den Wochenenden zu nutzten. Ausserdem wurde sogar eine Flugzeughalle zur Verfügung gestellt, die später jedoch von einer eigenen selbstgebauten Halle abgelöst wurde. Hier konnte der Luftsportverein Neuwied zusammen mit den beiden Partnervereinen seine luftsportlichen Ziele verwirklichen. Auch die übrigen Voraussetzungen waren geschaffen: Im Jahr 1958 standen drei Segelflugzeuge, eine Rhönlerche, eine Ka 7 und eine Ka 8, zur Verfügung, und seit 1955 war die Startwinde vom Typ Röder in Betrieb, die 1963 durch eine Doppeltrommelwinde vom Typ Tost ersetzt wurde. Beide Winden wurden im Neuwieder Steigerturm in Eigenleistung gebaut. Die Segelflugausbildung wurde voll durch- organisiert: Das doppelsitzige Segelflugzeug Rhönlerche sowie ein VW-Bus für die Fahrt zum Flugplatz wurden bereitgestellt. Speziell ausgebildete Segelfluglehrer brachten Interessenten – vorwiegend Jugendlichen – ehrenamtlich das Segelfliegen bei. Im Neuwieder Steigerturm wurde über der Werkstatt noch ein Sitzungs- und Unterrichtsraum eingerichtet, in dem in den Wintermonaten Flug-Theorie gepaukt wurde. Der Leistungssegelflugsport entwickelte sich rasant: Die meisten aktiven Mitglieder erreichten das Silberne Segelflieger-Leistungsabzeichen, für das ein 5-stündiger Dauerflug, ein 1000-m-Höhenflug und ein 50-km-Streckenflug gefordert ist. Sehr beliebt waren die von Günter Büsch jährlich organisierten Pfingstlehrgänge speziell zum Leistungsfliegen. Den Mitgliedern des Luftsportvereins Neuwied gelangen immer weitere Streckenflüge, immer höhere Vereinsrekorde wurden aufgestellt. 1958 flog Sigmund Susdorf 150 km mit einer Ka 7 (Gleitzahl 26) nach Erwitte, 1960 flog Günter Büsch 240 km mit einer Ka 8 nach Rettel, 1961 Hans Rockenfeller 420 km mit einer Ka 6 nach Liernais/Frankreich und 1968 Rolf Petry 540 km mit einer Ka 6 nach Blois/Frankreich. Mittlerweile hatten einige Vereinsmitglieder sogar das Goldene Segelfieger-Leistungsabzeichen erreicht, für das ein 300-km-Streckenflug gefordert ist, sowie ein 3000-m-Höhenflug, der allerdings fast nur im Hochgebirge geflogen werden kann. Hierfür veranstaltete der Luftsportverein Neuwied ab 1962 fast jährlich Fliegerlager, zunächst in Fayence in Frankreich, sowie in Innsbruck oder Aigen in Österreich, später in Niederöblarn, Sankt Johann und Zell am See in Österreich und Sisteron in Frankreich.

Neben den Vorteilen des Militärflugplatzes Niedermendig, wie ein grosses und komfortables Fluggelände zum Nulltarif, wurden mit der Zeit doch die Nachteile immer offenkundiger, nämlich die Nutzungsbeschränkung auf die Wochenenden und der hohe militärische Zaun rundherum, der eine bürgernahe Entwicklung des Vereins und eine intensive Nachwuchsarbeit unmöglich machte. Der Verein suchte folglich ein eigenes Fluggelände. Nachdem Rolf Petry 1965 zum Vorsitzenden gewählt wurde, nahm dies zügig konkrete Formen an. 1967 hatte man ein passendes Gelände bei Wienau im Westerwald gefunden, und 1969 konnte es gepachtet werden. In einer beispielhaften Aktion errichteten die Vereinsmitglieder mit sehr viel Eigenleistung, etwas öffentlicher Förderung und sehr viel gutem Willen der Gemeinde Wienau und der Stadt Dierdorf einen Flugplatz mit Halle, Vereinsheim, Tower und asphaltierter Startbahn. Während der Bauphase wurde zunächst weiter in Niedermendig geflogen und an einzelnen verlängerten Wochenenden in Wienau. Im Frühjahr 1971 wurde der gesamte Sportflugbetrieb des Luftsportvereins Neuwied auf den Flugplatz Dierdorf-Wienau verlegt. Auch die übrigen Vereinsaktivitäten, wie Werkstatt, Theorie-Unterricht und monatliche Clubabende wurden etwas später von Neuwied zum Wienauer Flugplatz verlagert. Der erwartete Nachwuchs-Boom stellte sich ein, und die luftsportlichen Aktivitäten des Vereins wurden vom ursprünglichen Segelfliegen um das Motorsegeln und das Motorfliegen erweitert. Mit dem Fliegen mit Motor erschlossen sich die Vereinsmitglieder neue Dimensionen: Es gab keine winterlichen Flugpausen mehr, und man konnte nun “Luftwandern” über viele hunderte Kilometer quer durch Europa und darüber hinaus. Motorflug-Touren von Vereinsmitgliedern führten bis in die Ägäis, zum Nordkap, nach Mallorca und nach Ägypten. Die Teilnahme am Deutschlandflug, einer Flugrallye quer durch Deutschland, wurde zur Regel. Hierbei erreichte das Team Jost Thönnes und Rainer Köberer 1999 in einem hochqualifizierten Teilnehmerfeld von 90 Mannschaften einen beachtlichen 33. Platz.

Nachdem im Segelflug Hans Rockenfeller1974 den Vereinsrekord für die Geradeausstrecke nochmals neu auf 600 km markiert hatte, begann im gleichen Jahr jedoch für die Mitglieder des Luftsportvereins Neuwied die neue Ära der Dreiecksflüge, bei denen am Ausgangspunkt wieder gelandet wird, denn in diesem Jahr erreichten Jens Schulz mit einer Ka 6E und Volker Heubner mit einem Phoebus C erstmals Dreieckstrecken von mehr als 300 km. 1976 flog Jens Schulz eine 510-km-Dreieckstrecke mit einem Standard Cirrus, 1982 Gerhard Büsch 630 km mit einem Standard Cirrus, 1984 Gerhard Marzinzik 770 km und 1997 Roland Almon und Ingo Schulz mit dem Doppelsitzer Janus (Gleitzahl 43,5) 795 km, womit beide im sog. Barron Hilton Cup die begehrten Teilnehmerplätze für das Segelflugtrainingslager auf der Hilton-Ranch in Nevada/USA gewannen.