Luftsportverein Neuwied e.V.

Halb Segler, halb Motorflugzeug

Mit dem Motorsegler ist man zudem viel schneller in der Luft. Der Aufwand ist erheblich geringer als im Segelfug, wo immer eine ganze Mannschaft benötigt wird. Beim Windenstart sind das der Flächenläufer, der Startleiter, der per Telefon die Kommandos an die Winde durchgibt, der Windenfahrer und der Fahrer des Seilrückholwagens.

Manchmal wird's schlicht übersehen: Die Welt steckt zwischen zwei Polen. In der Fliegerei gilt das ganz besonders. Die Eckpfeiler Segelflug und Motorflug machen auch hier längst nicht alles aus. Dazwischen gibt's den Motorsegelfug, eine Welt, die von allem etwas bietet. Auf der einen Seite das stille Vergnügen Segelfug, auf der anderen das bequeme Reisen in direkter Linie von A nach B im Motorfug.

Im Luftsportverein Neuwied pendeln wir gleich mit zwei Motorseglern zwischen diesen Polen. Für den Segelflieger verwandelt sich mit dem Motorsegler das ganze Jahr zur Flugsaison. Eine Winterpause mit ihrem negativen Einfuss auf die lnübunghaltung gibt's nicht mehr. Für die Flugsicherheit ist das ein enormer Vorteil

In der Woche nach der Arbeit einen langen Sommerabend zu nutzen, ist mit dem Motorsegler kein Problem. Bei einem Start am Nachmittag lässt sich dann auch noch richtig segelfiegen. In ausreichender Höhe wird der Motor und Winter abgestellt und der Propeller widerstandsarm in Segelflugstellung gebracht. Aufkreisen im Aufwind und lautloses Vorgleiten zun nächsten Aufwind ist dann wie mit reinen Segelfugzeugen möglich. Wie bei jedem Kompromiss müssen aber Nachteile in Kauf genommen werden, so ist auch hier der Flugspaß wegen der schlechteren Aerodynamik des Motorseglers nicht ganz vergleichbar dem mit einem eleganten Hochleistungssegel?ugzeug.

Mit dem Motorsegler können Segelflugmöglichkeiten erkundet werden, die mit reinen Segelfugzeugen wegen des damit vebundenen hohen Aufwands gar nicht angegangen werden. So werden in Herbst regelmäßig Wellenaufwinde über dem Rheintal erflogen. Dieter Bernau er schaffte hier einmal einen Aufstieg bis auf 5000 m.

Andererseits lassen sich die beiden LVN-Notorsegler einsetzen wie moderne Reiseflugzeuge. In zwei Stunden ist man zu einem Badetag auf einer Nordseeinsel. Dietmar Honisch flog mit seiner einsitzigen RF-4 sogar bis zum Nordkap.

Aufbauend auf den Segelflugschein lässt sich die Motorseglerberechtigung schnell erwerben. Die Einweisung verlangt ein wenig zusätzliche Theorie und Praxis. Seine navigatorischen Fähigkeiten stellt man mit einem Dreiecksflug über 270 km unter Beweis. Da ist es kein Wunder, dass fast alle Segelflieger im Luftsportverein Neuwied auch Motorseglerpiloten sind.